Veröffentlichungen Duft-Splitter

Duft-Splitter


Interessantes und Amüsantes
In der Rubrik „Duft-Splitter“ greift unsere Autorin Dr. Eva Heuberger aktuelle Meldungen und wissenschaftliche Veröffentlichungen rund um die Schwerpunkte „Duft“ und „Aroma“ auf. Viele der informativen, kurzen Beiträge erscheinen regelmäßig in unserer Fachzeitschrift F·O·R·U·M.
In Rahmen eines neuen Pilotprojektes bietet ein Team aus Gesundheits- und Krankenpfleger:innen seinen Patientinnen und Patienten Aromapflege in der Palliativstation, der allgemeinen Onkologie, der Nephrologie und Endokrinologie, der Perioperativen Intensivstation und der Kinder- und Jugendklinik an. Das Ziel des Einsatzes der ätherischen Öle sei es, Heilungsprozesse sanft zu unterstützen und eine Atmosphäre der Entspannung und Zuversicht zu schaffen, wie Pflegevorstand Annett Laban erklärt. Durch die individuelle Auswahl und Anwendung von ätherischen Ölen wie Lavendel, Zitronengras, Sandelholz, Jasmin, Bergamotte, Rose oder Melisse sollen Stress abgebaut, Schmerzen gelindert und die Schlafqualität der Patient:innen verbessert werden. Ebenso soll durch die aromapflegerischen Maßnahmen erreicht werden, dass die Patient:innen weniger Medikamente brauchen, sich rascher erholen und dadurch weniger Zeit im Krankenhaus verbringen müssen.

Quelle: Universitätsmedizin Rostock

Die Mumifizierung wurde im Alten Ägypten von ca. 5000 v. Chr. bis etwa 600 n. Chr. durchgeführt und sollte Körper und Seele der Verstorbenen für das Leben nach dem Tod erhalten. Der Geruch spielte eine zentrale Rolle beim Einbalsamierungsritual, denn angenehme Düfte wurden mit der Reinheit von Gottheiten in Verbindung gebracht, während Gestank für körperlichen Verfall stand.

Ein Team aus Forschenden des University College London, der Universität Ljubljana, der Universität Krakau und dem Ägyptischen Museum in Kairo untersuchte den Geruch von neun ägyptischen Mumien, um mehr über die Entwicklung der Einbalsamierungspraktiken und die verwendeten Materialien zu erfahren. Die Wissenschaftler:innen setzten sowohl instrumentelle analytische Verfahren als auch trainierte menschliche „Schnüffler“ ein, um die chemische Zusammensetzung und die olfaktorische Qualität der Proben zu erfassen. Entgegen der populären Darstellung in einschlägigen Horror-Streifen riechen die Mumien nicht nach Staub und Verwesung, sondern besitzen eine süßlichen, angenehmen Duft nach den zur Mumifizierung verwendeten Pflanzenprodukten: Nadelholz-Harze und ätherische Ölen wie Pinie, Zeder und Wacholder, Balsame wie Myrrhe und Weihrauch und Wachse.

Mit ihren Analysetechniken konnten die Forscher:innen sogar unterscheiden, ob ein Geruch von den für die Mumifizierung verwendeten Materialien stammte, von später hinzugefügten synthetischen Pestiziden oder von mikrobiellen Zersetzungsprodukten – und das völlig zerstörungsfrei, was einen wesentlichen Vorteil der Geruchsanalyse gegenüber anderen Untersuchungsarten darstellt.

Die Erkenntnisse aus der Studie sollen Museen helfen, die Artefakte zu schützen, und das olfaktorische Erbe der Mumien erhalten. Darüber hinaus betonen die Forscher:innen die Wichtigkeit von Sinneseindrücken von Artefakten für das Verständnis der Menschheitsgeschichte und ermutigen Museen, in ihren Ausstellungen auch den Duft der Artefakte in Form von sogenannten „Smellscapes“ (Duftlandschaften) einzubinden.

Quelle: University College London

Link zur Originalstudie 

 
[aus: Forum 66, 2025] 

Forschende aus Jena und Dresden haben in dem von der Volkswagen Stiftung unterstützten Projekt „Perceptronics“ erfragt, wie Menschen Gerüche wahrnehmen, und aus den Antworten eine Datenbank erstellt. Dazu mussten 1.200 Befragte 74 Einzelduftstoffe mit ihren eigenen Worten beschreiben und angeben, wie angenehm und intensiv sie deren Geruch wahrnahmen. Aus den Angaben lassen sich einerseits allgemeine Zusammenhänge zwischen der Geruchswahrnehmung und den molekularen Eigenschaften der Duftmoleküle ableiten, zum anderen haben die Forschenden auch mögliche praktische Anwendungen im Blick: „Unser Smartphone beispielsweise kann unser Gesicht oder unsere Stimme erkennen – beim digitalen Riechen allerdings stoßen die Entwicklerinnen und Entwickler noch an grundlegende Grenzen“, erklärt Studienautor Alexander Croy. Die Forschungsergebnisse, die der Allgemeinheit in Form einer App zur Verfügung gestellt werden, könnten der Weiterentwicklung elektronischer Nasen dienen, die es irgendwann ermöglichen, sogar den eigenen Körpergeruch zu identifizieren.

Körpergerüche lassen sich allerdings besonders schlecht in Worte fassen. Daher erhoben die Wissenschaftler:innen bei 2.600 Testpersonen aus 17 Ländern, wie diese den Geruch bestimmter Körperregionen beschreiben. Für einige Bereiche traten deutliche Überschneidungen hervor. Achselgeruch wurde übergreifend als schweißig, sauer und stinkend wahrgenommen, Mundgeruch als frisch oder stinkend und Fußgeruch als käsig. Der Beschreibungskatalog für Körperdüfte, der in 13 Sprachen vorliegt, könnte auch bei der Erkennung und Diagnostik von bestimmten Krankheitsbildern helfen, die sich auf den Körpergeruch auswirken.

Quelle: MDR/Universität Jena

Link zur App 
Link zur Studie Scientific Data 2025 Art. 325
Link zur Studie Scientific Data 2025 Art.347
 
[aus: Forum 66, 2025] 

Spinnen können riechen, und zwar mit haarähnlichen Sinnesorganen auf ihren Beinen. Diese werden als Sensillen bezeichnet und sind mit Poren ausgestattet, die flüchtige Stoffe aufspüren können. Ein internationales Forschungsteam mit Mitgliedern von der Universität Greifswald fand heraus, dass Spinnenmännchen an allen Beinen eine Vielzahl von Sensillen haben, mit denen sie Sexualduftstoffe von Weibchen wahrnehmen.

Über den Geruchssinn der Spinnen ist bislang wenig bekannt. Die Forschungsgruppe konzentrierte sich deshalb auf die Wespenspinne Argiope bruennichi, für die das artspezifische Sexualpheromon bekannt ist, mit dem Weibchen die Männchen anlocken. Forschende von der Universität Lund, die ebenfalls an dem Projekt beteiligt waren, konnten nachweisen, dass die Sensillen, die sich nur bei den männlichen Vertretern dieser Spinnenart finden, konzentrationsabhängig auf das Pheromon reagieren. Weitere Untersuchungen an 19 Spinnenarten zeigten, dass die meisten über solche Sinnesorgane verfügen, jedoch nicht alle.

Diese vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Riechen über Sensillen bei Spinnen nicht die Regel ist. Welche Bedeutung der Geruchssinn bei Spinnengruppen mit und ohne Sensillen für Partnerwahl, Beutefang und Fressfeindvermeidung hat, sollen weitere Untersuchungen klären.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft/Universität Greifswald

Link zur Originalstudie 


 
[aus: Forum 66, 2025] Winzig kleine Plastikpartikel wurden mittlerweile in fast allen Teilen des menschlichen Körpers gefunden – sogar im Gehirn. Doch anders als z. B. in den Darm, dürfte es dorthin nicht (nur) über die Nahrung gelangen, sondern (auch) über den Geruchssinn.
Weggeworfene Kunststoffe auf Mülldeponien, in Gewässern und Meeren werden bei ihrem Abbau in sogenanntes Mikroplastik und noch kleineres Nanoplastik zerlegt, kleinste Teilchen, die im Boden, im Wasser und sogar in der Luft nachgewiesen werden können. Über die Nahrung, das Trinkwasser, die Atemluft und über die Haut können die Plastikpartikel in unseren Körper eindringen. Und es wird befürchtet, dass Nanoplastik selbst die besonders dichte Blut-Hirn-Schranke, die das Gehirn vor Krankheitserregern und Schadstoffen bewahrt, überwinden könnte.
Brasilianische Forschende machten nun aber eine Entdeckung, die den Geruchssinn bzw. die Riechnerven als Vehikel für die Plastikpartikelchen ins Spiel bringt. Das Forschungsteam untersuchte Hirngewebeproben von 15 Verstorbenen, die routinemäßig obduziert wurden. Bei 8 Personen wurde Mikroplastik im Riechkolben gefunden, dem Teil des Gehirns, der die erste Anlaufstelle für die Riechnerven aus der Nase darstellt. Die Wissenschaftler:innen vermuten, dass die Teilchen entlang der Riechnerven dorthin transportiert werden und so die Blut-Hirn-Schranke eventuell umgehen könnten. Gestützt wird diese Vermutung durch frühere Belege für den sogenannten axonalen Transport von Stoffen entlang der Riechnervenzellen ins Gehirn, etwa von Kohlepartikeln, Metallionen, bestimmten Amöben und Arzneimitteln.
Unabhängig von den möglichen Aufnahmewegen zeigen brandaktuelle Untersuchungen aus den USA, dass die Konzentration von Mikro- und Nanoplastik im menschlichen Gehirn über die Jahre zugenommen hat. Ob und welchen Schaden die Plastikteilchen dort anrichten, muss aber noch weiter untersucht werden.
Quelle: Der Standard
Link zu den Originalstudie:JAMA Network Open 2024
und
Link zur Studie bei Nature Medicine 


 
[aus: Forum 65, 2025] Umgebungsgerüche prägen das Erleben eines Landschaftraumes und tragen enorm zu seiner Einzigartigkeit bei. Da sie sich mit den Jahreszeiten kontinuierlich verändern, wird durch ihr bewusstes Wahrnehmen eine intensive Verbindung von Ort und Zeit geknüpft.
In einem u. a. vom Österreichischen Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft und von der EU geförderten Projekt widmete sich die Botanikerin und Duftexpertin Marie-Louise Oschatz den Düften des Waschbergs in der Gemeinde Leitzerdorf, einer Region im niederösterreichischen Weinviertel. Im Zeitraum März bis November 2024 wurden die Düfte und Gerüche, die am Waschberg erlebbar sind, bestimmt und dokumentiert.
Dazu fanden vier Erhebungsphasen mit unterschiedlichen Schwerpunkten statt, zu denen jeweils eine geführte Duftwanderung angeboten wurde: Orchideen und andere Frühlingsdüfte, Düfte der Nacht, Hochsommer-Düfte und Pilzgerüche im Herbst. Um die olfaktorische Erinnerung zu unterstützen und die Beschreibung des Naturraumes zu präzisieren, notierten die TeilnehmerInnen der Duftwanderungen ihre Geruchswahrnehmung zusammen mit anderen Sinneseindrücken, wie z. B. visuellen Eindrücken, Naturlauten wie Vogelgesang oder die Fluggeräusche von Insekten und haptischen Eindrücken von Blättern und Pilzen.
Als Ergebnisse des Projektes entstanden u. a. Geruchs-Wander-Karten für den Waschberg, ein Duftrad sowie ein Meditationstext für den Jakobsweg.
Quelle: Gemeinde Leitzersdorf
Link zu Gemeinde Leitzersdorf 


 
[aus: Forum 65, 2025]  Manche Erkrankungen kann man an ihrem typischen Geruch erkennen. So liefert etwa der süß-fruchtige Duft von Aceton in der Ausatemluft Hinweise auf die Zuckerkrankheit. Aber auch mikrobielle Erreger und sogar Krebszellen können sich durch ihre spezifischen flüchtigen Stoffwechselprodukte, sogenannte VOC oder Volatile Organic Compounds, verraten. Einzelne VOC oder bestimmte Kombinationen aus ihnen, der VOC-Fingerprint, sind typisch für bestimmte Erkrankungen und können daher für deren Diagnose aus der Atemluft genutzt werden.
Ein Duftstoff, der spezifisch mit Lungenkrebs in Verbindung gebracht wird, ist Isopren. Seine Konzentration ist in der Atemluft von LungenkrebspatientInnen verringert, doch nur minimal. Daher sind hochsensible Sensoren nötig, die Isopren zuverlässig erkennen und die Veränderung im ppb-Bereich (Teile pro Milliarde) messen können.
Forschende der Zhejiang University haben Nanosensoren auf Basis von Platin, Indium und Nickel (Pt@InNiOx) entwickelt, deren Sensitivität deutlich höher ist als die bisheriger Sensoren und die spezifisch auf Isopren reagieren. Die Sensoren wurden an Atemproben von 13 Personen getestet, darunter 5, bei denen zuvor Lungenkrebs diagnostiziert worden war. Mithilfe der neuartigen Sensoren konnten die Forschenden anhand der Isoprenkonzentration in der Atemluft zuverlässig zwischen den Gesunden und den Erkrankten unterscheiden. Den WissenschaftlerInnen zufolge könnten die Pt@InNiOx-Nanosensoren in einfache klinische Atemluft-Testsysteme integriert einen Meilenstein in der nicht invasiven Lungenkrebsvorsorge markieren.
Quelle: Forschung und Wissen
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[aus: Forum 65, 2025]  Bislang galt unser Geruchssinn als der langsamste unter den Sinnen. Wie schnell wir Duftänderungen wahrnehmen können, hänge davon ab, wie schnell wir atmen, so die Annahme. Doch dass das nicht stimmt, konnte eine deutsche Forschungsgruppe schon vor einigen Jahren an Mäusen zeigen. Sie waren in der Lage, verschiedene Duftkomponenten mit einer Frequenz von bis zu 40-mal pro Sekunde zu unterscheiden. Das ist sogar bei der Maus deutlich schneller als ein „Schnupperzug“.

Nun konnten Forschende von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking zeigen, dass auch wir Menschen verschiedene Duftnoten schon in einem sehr geringen zeitlichen Abstand von nur 60 Millisekunden unterscheiden können, und zwar mithilfe eines speziellen Gerätes, das innerhalb eines einzigen Atemzuges verschiedene Duftstoffe sehr rasch hintereinander abgeben kann. Je größer der Abstand zwischen den Duftnoten, desto präziser wird dabei die Geruchsdifferenzierung. Mit ihren Experimenten erbrachten die chinesischen NeurowissenschaftlerInnen den Beweis, dass die Duftwahrnehmung beim Menschen etwa zehnmal schneller ist als bisher angenommen und dass die Geschwindigkeit im Riechsystem ähnlich hoch ist wie die Farbwahrnehmung durch das Auge.

Es spielte übrigens keine Rolle, wie angenehm die Düfte waren und wie intensiv. Da die Untersuchung aber nur mit Geruchsnoten durchgeführt wurde, die als stark unterschiedlich empfunden wurden, könnte es sein, dass unsere Nase auf ähnlichere Düfte weniger fein reagiert. Diese Frage soll in Folgestudien geklärt werden.
Quellen: Informationsdienst Wissenschaft/Paul-Ehrlich-Stiftung; Chinesische Akademie der Wissenschaften/Scinexx.de
Link zu www.nature.com 


 
[aus: Forum 64, 2024]  Wüstenheuschrecken (Schistocerca gregaria) treten nicht immer im Schwarm auf. Sie können innerhalb weniger Stunden von einem einzelgängerischen (solitären) in einen geselligen (gregären) Zustand wechseln. Das hat nicht nur Auswirkungen auf das Verhalten der Tiere und ihre Körperfarbe, die sich von grün zu gelb-schwarz ändert. Sie passen auch ihren Geruchssinn an, wenn sie in riesigen Schwärmen auf Wanderschaft gehen.
„Der Geruchssinn ist für die Schwarmheuschrecken bei der Nahrungssuche enorm wichtig“, erklärt der Neurobiologe Yannick Güzel. In einem Forschungsteam an der Uni Konstanz hat er die neuronalen Veränderungen im olfaktorischen System der Heuschrecken mit untersucht. Dazu schauten sie sich den Gehirnbereich, der für die Geruchsverarbeitung zuständig ist, genauer an.
Das Team stellte fest, dass die Tiere ihren Geruchssinn anpassen können, um Essensgerüche im Geruchscocktail des Schwarms besser wahrnehmen zu können. Nur so gelingt es ihnen, in riesigen Schwärmen mit Millionen von Tieren auf engstem Raum Essbares zu riechen.
Heuschreckenschwärme richten in vielen Regionen Afrikas und Asiens immer noch verheerende Schäden in der Landwirtschaft an. Das Konstanzer Forscherteam möchte mit neuen Methoden zur Untersuchung von Schwärmen dazu beitragen, künftige Ausbrüche von Heuschreckenplagen besser vorherzusagen und damit kontrollierbarer zu machen.
Quelle: Universität Konstanz/idw
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[aus: Forum 64, 2024] Wenn wir hungrig sind und den Duft von Essen riechen, läuft uns buchstäblich das Wasser im Mund zusammen. Denn schon der Geruch und der Anblick von Essbarem wirken als Signal für den Körper, sich mit der Produktion von Speichel und Magensäure auf eine mögliche Essenaufnahme vorzubereiten.
Doch nicht nur Speicheldrüsen und Magen reagieren blitzschnell. Auch die Leber bereitet sich vor, allein schon beim Geruch oder Anblick von Nahrung. Das haben Forscher am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in einer Studie an Mäusen nachweisen können.
Innerhalb von Sekunden werden bestimmte Neuronen im Gehirn aktiviert, die zu Veränderungen in den Mitochondrien der Leber führen. Sie bereiten die Leber auf eine Anpassung des Zuckerstoffwechsels vor. „Unsere Studie zeigt, wie eng die sensorische Wahrnehmung von Essen, adaptive Prozesse in Mitochondrien und die Insulinsensitivität verknüpft sind“, erklärte dazu Studienleiter Jens Brüning, Direktor am Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung.
Quelle: Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung/idw
Link zum Max-Planck-Institute
Originalpublikation: Science 2024; 384: 438

 
[aus: Forum 64, 2024] Körpergerüche spielen im Tierreich ebenso wie bei uns Menschen eine wichtige Rolle, mehr als uns im Allgemeinen bewusst ist. Das gilt für die Partnersuche, aber auch für die Bindung zwischen Eltern und Kindern.
Wer schnuppert nicht gerne an zarter Babyhaut? Vermutlich dient dies auch dem Aufbau einer engen Eltern-Kind-Beziehung. Die Natur hat es so eingerichtet, dass elterliche Nasen den Hautduft ihrer Kleinkinder in der Regel sehr angenehm finden. Das ändert sich dramatisch, sobald die „süßen“ Kleinen beginnen, in die Pubertät zu kommen. Dann wird der Körpergeruch des eigenen Kindes plötzlich nicht mehr als anziehend, sondern schnell mal als unangenehm müffelnd wahrgenommen.
Woran das liegt, hat ein Team um Dr. Helene Loos vom Lehrstuhl für Aroma- und Geruchsforschung der Universität Erlangen-Nürnberg untersucht. Die Wissenschaftlerinnen verglichen die chemische Zusammensetzung des Körpergeruchs von Kleinkindern (0–3 Jahre) und Teenagern (14–18 Jahre). Dazu mussten ihre jungen Probanden nachts speziell präparierte T-Shirts tragen. In den Achselhöhlen waren Baumwollpads eingenäht, um die Ausdünstungen der Kinder einzufangen.
Die Analyse zeigte, dass bei beiden Altersgruppen die chemischen Komponenten des Körpergeruchs eigentlich qualitativ ziemlich ähnlich waren. Bei den Teenagern fanden sich jedoch zwei Steroid-Verbindungen, Androstenon und Androstenol, die bei den Kleinkindern noch nicht vorkamen. Sie scheinen hauptverantwortlich für den spezifischen „Teenager-Duft“ zu sein, der als schweißig, urin- bzw. moschusartig wahrgenommen wird und mit den hormonellen Veränderungen in der Pubertät einhergeht. Die Geruchsproben der Teenager enthielten auch mehr organische Säuren wie Essigsäure und ähnliche Verbindungen, die für menschliche Nasen „käsig“ oder „muffig“ riechen.
Quelle: Communications Chemistry 2024; 7: 53
Link zur www.nature.com


 
[aus: Forum 64, 2024] Bisher ging man davon aus, dass die Wälder in Deutschland zum Klimaschutz beitragen, indem sie das klimaschädliche Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) in Form von Biomasse speichern. Der jüngste Bericht zur Bundeswaldinventur zeigte jedoch Alarmierendes: Seit 2017 haben die bundesdeutschen Wälder erstmals mehr CO2 freigesetzt als durch ihr Wachstum aufgenommen. Hauptgründe dafür sind Stürme, Dürre und Borkenkäferbefall, die vor allem den Fichtenmonokulturen stark zugesetzt haben. Biodiversitätsforscher setzen daher auf einen weiter wachsenden Anteil an Mischwäldern. Diese sind artenreicher und widerstandsfähiger.
Artenreiche Ökosysteme unterscheiden sich auch noch in anderer Hinsicht von Monokulturen. In ihnen ist der Ausstoß von Duftstoffen, die als gasförmige Moleküle in die Atmosphäre gelangen, geringer. Auch diese Pflanzenduftstoffe haben Auswirkungen aufs Klima, vermutet ein interdisziplinäres Forschungsteam aus Biologen, Klimaforschern und Atmosphärenchemikern. Sie können etwa die Luftqualität, die Strahlungsbilanz der Erde oder die Wolken- und Niederschlagsbildung beeinflussen.
Dass Pflanzen in artenreichen Ökosystemen weniger intensiv Duftstoffe abgeben, könnte daran liegen, dass sie weniger Stress haben, erklärt Prof. Dr. Nico Eisenhauer vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung. Sie leiden weniger unter Fressfeinden, Hitze- und Trockenstress als Pflanzen in Monokulturen.
Quelle: Commun Earth Environ 2023; 4: 445
Link zu www.nature.com 


 
[aus: Forum 63, 2024] Wissenschaftliche Forschung zur Wirkung naturreiner ätherischer Öle war lange ein Randthema in der Medizin. Inzwischen aber interessieren sich sogar Krankenkassen für die Möglichkeiten der Aromatherapie. Gemeinsam haben Barmer, AOK Sachsen-Anhalt, die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege und die Firma Primavera ein Modellprojekt initiiert. Es geht um Raumbeduftung in der stationären Altenpflege und die Frage, ob und wie sie sich auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Pflegekräften auswirkt. Das Projekt wurde auf dem Deutschen Pflegetag letzten Herbst in Berlin vorgestellt.
Durchgeführt wurde das Pilotprojekt in sechs Pflegeheimen in Sachsen-Anhalt. Es stand leider unter keinem guten Stern. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehende starke Belastung der Mitarbeiter sowie der Fachkräftemangel in der Pflege erschwerten die Durchführung erheblich. Daher sollten die Ergebnisse zunächst nur als Tendenzen interpretiert werden. 
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass auf den bedufteten Stationen die Krankheitstage um ein Viertel und die Fluktuation der Mitarbeiter um 15% niedriger waren als in den Kontroll-Bereichen. In einem der Heime konnte zudem die Gabe von Psychopharmaka bei den Bewohnern um fast ein Drittel reduziert werden. „Vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Pandemie sind die Ergebnisse umso bemerkenswerter“, erklärte der Landesgeschäftsführer der Barmer Axel Wiedemann. Die Krankenkassen möchten daher das Projekt fortführen. Dabei soll auch die Wirkung der Raumdüfte auf die Pflegebedürftigen noch stärker in den Fokus rücken.
Quellen: Primavera/AOK/Barmer Krankenkasse
Link zu www.deine-gesundheitswelt.de 
Link zur www.presseportal.de 


 
[aus: Forum 63, 2024] Pflanzen können mithilfe von Duftstoffen kommunizieren. Sie scheinen sich so gegenseitig vor Angriffen von Fressfeinden zu warnen, um z.B. vermehrt Bitterstoffe einzulagern. Oder sie locken damit nützliche Raubinsekten an, die den Schädlingsbefall reduzieren helfen.
Forschende an der ETH und der Universität Zürich entwickeln derzeit ein Verfahren, das mithilfe von Drohnen diese Duftstoffe einsammeln und so Pestizideinsätze in der Landwirtschaft reduzieren soll. Die kleinen, ferngesteuerten Flugroboter werden schon heute vielfältig in der Landwirtschaft eingesetzt: Sie retten Rehkitze vor Erntemaschinen oder helfen, den gefährlichen Maiszünsler biologisch zu bekämpfen, indem sie Schlupfwespen als natürliche Feinde über betroffenen Feldern verteilen.
Bei dem neuen Verfahren sollen Drohnen spezielle Sensoren auf den Äckern ausbringen, die gezielt Pflanzenduftstoffe aufspüren, die auf Schädlingsbefall hinweisen. Sie erschnuppern den „Angstschweiß“ befallener Pflanzen, wie es in einem Artikel in der NZZ über diese speziellen Duftstoffe heißt. So könnten Landwirte frühzeitig und gezielt eingreifen und mit weniger Pestizideinsatz Ernteausfälle verhindern.
Quelle: Neue Züricher Zeitung (NZZ) vom 4. Dezember 2023

Link zur NZZ.ch
 
[aus: Forum 63, 2024] Wonach riecht es auf den Straßen und Plätzen von Wien? Die Gerüche im „Grätzl“– so nennen die Wiener ihren Wohnbezirk – erkunden, darum ging es 2023 in einem Forschungsprojekt der Universität Wien. Gefördert von der Stadt, war „Wien der Nase nach“ als sogenanntes „Citizen Science“-Projekt angelegt, bei dem Forschung mit Bürgerbeteiligung betrieben und das Erfahrungs-Wissen möglichst vieler Menschen genutzt wird.
Im Rahmen des Projekts unter Leitung der Kulturwissenschaftlerin Stephanie Weismann wurden in Riech- und Schreibworkshops Geruchsgeschichten gesammelt. Zusätzlich konnten die Bewohner und Besucher der Stadt anhand eines Online-Fragebogens die Vielfalt der Gerüche Wiens im Internet dokumentieren und so dazu beizutragen, einen „Geruchs-Stadtplan“ zu erstellen. 
Quelle: Universität Wien
Nach der wissenschaftlichen Auswertung des Projekts sind die Ergebnisse ebenso wie die Wiener Geruchskarte weiterhin online abrufbar unter:
  Link zu Wienriecht.at
[aus: Forum 63, 2024] Was haben Whiskey, Tabak und ein Pferdestall gemeinsam? Auf den ersten Blick eigentlich nichts – was den Geruch angeht aber doch etwas: p-Cresol (4-Methylphenol) ist eine stark und ambivalent riechende chemische Verbindung, deren Geruch an einen Pferdestall denken lässt. Sie ist im Urin verschiedener Säugetierarten ebenso enthalten wie als charakteristischer Geruchsstoff in Whisky und Tabak. Und wir besitzen – wie viele Säugetiere – offenbar einen Geruchsrezeptor dafür in der Nase, der speziell auf diesen Duft anspricht. 
Para-Cresol kann auch in Nahrungsmitteln wie weißem Pfeffer, Kakao, Raps- oder Olivenöl in Spuren vorkommen und dort zu Aroma-Fehlnoten beitragen. Wohl aus diesem Grund hat sich eine Forschungsgruppe am Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie in Freising mit dem Stoff befasst. In einem aufwendigen Screening testeten sie über 600 menschliche Geruchsrezeptorvarianten, ob diese darauf ansprechen. Dabei fanden sie den Rezeptor „OR9Q2“ als denjenigen, der eine evolutionär konservierte, hochselektive Detektionsfunktion für den Duftstoff p-Cresol übernimmt. 
Quelle:
  Link zur Website Sciencedirect.com
[aus: Forum 61, 2023] Wäsche bei Niedrigtemperaturen zu waschen, spart Energie. Viele Textilien vertragen auch nur 30°C- oder 40°C-Wäsche, und sauber wird die Kleidung damit genauso. Meistens landet sie eh in der Maschine, nicht weil sie wirklich dreckig ist, sondern nur länger getragen wurde und nicht mehr frisch riecht.

Manchmal riecht die Wäsche aber auch nicht frisch gewaschen, sondern eher muffig, wenn sie aus der Trommel kommt. Das kann an dem Mikrobenfilm liegen, der sich mit der Zeit in einer Waschmaschine bildet, gerade wenn nur mit niedrigen Temperaturen gewaschen wird. Wissenschaftler haben diesen Biofilm jetzt genauer unter die Lupe genommen. Ob es in einem Haushalt Kinder oder Haustiere gibt oder welche Waschmittel verwendet werden, scheint wenig Einfluss auf das Wachstum geruchsbildender Bakterien im feuchten Klima der Maschine zu haben. Hier konnten die Wissenschaftler keine relevanten Zusammenhänge feststellen.

Die meisten Mikroorganismen setzen sich im Waschmittelfach und an den Gummidichtungen fest. Bei der Analyse von Proben, die sie dort entnahmen, stellten sie Interessantes fest: Das „Mikrobiom“ von riechenden und nicht-riechenden Waschmaschinen unterscheidet sich zunächst nur wenig. Allerdings fanden sie in den nicht-riechenden zusätzlich bestimmte Bakterien, die sonst eigentlich im Erdreich vorkommen. Vor allem Bodenbakterien der Gattung Rhizobium, die bevorzugt an Pflanzenwurzeln leben, scheinen miefige Waschmaschinen-Gerüche verhindern zu können.

Vielleicht entwickeln Waschmittelhersteller bald „Probiotika“ für die Waschmaschine, um mit diesen Bodenbakterien dem Problem muffiger Wäsche Herr zu werden. Bis dahin hilft nur, öfter mal zwischendurch mit mindestens 60°C zu waschen und nach jedem Waschgang Einfüllkammer und Trommeltür offen stehenzulassen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.

Quelle: Laborjournal Zinn M. et al. (2022):
  Zur Website von MDPI

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